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Notizen "TagumTag"

 

"TagumTag" heißt das Notizbuch, das seit etwa 1993 auf meinem Desktop liegt und das mir, neben den papiernen Notizbüchern, als Arbeits- und als Tagebuch dient. Aus diesen Notizen habe ich hier eine Auswahl getroffen. Es sind Texte, Gedanken und Fragen, die auch heute noch für mich eine Relevanz haben, die mich noch immer beschäftigen, die stetig wiederkehren. Es sind Beobachtungen, Alltagbeschreibungen, Stimmungen, Protokolle von Gesprächen, die gerade, weil sie so unspektakulär aus meinem Leben und Umfeld erzählen, vielleicht etwas Dokumentarisches haben. Wahrscheinlich aber drückt alles zusammen genommen meine unaufhörliche Suche nach Gewissheiten und dauerhaften Einsichten aus.

 

Tröstlich

Veröffentlicht am 23.10.2013

Die Gegenwart ist die stärkste Zeiteinheit, der sich aufreihende Augenblick, dieser Moment und dann schon der nächste. Natürlich denken wir an die Toten, wir erinnern uns an sie, aber im selben Moment atmen wir, spüren wir uns selbst, unseren Hunger, unseren Rücken, oder unsere Augen reagieren auf etwas, was wirklich noch da ist und die Erinnerung fällt ins Flüchtige, Nebelhafte zurück. Das Vergangene festzuhalten ist nicht möglich, oder nur dann, wenn wir uns ganz bewusst darauf konzentrieren es zu bewahren, wenn wir es uns mit Fotografien oder Filmen oder Tonaufnahmen wieder sinnlich erlebbar machen oder wenn wir es aufschreiben oder malen, uns bemühen unsere Erinnerung zu Papier zu bringen, dann und nur dann hat das Vergangene genügend Kraft und Anziehung und gewinnt eine Präsenz, die ähnlich stark wie das Gegenwärtige sein kann, das uns umgibt.

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Verständigung

Veröffentlicht am 07.10.2013

Nichts ist schwieriger zwischen den Menschen als die Verständigung, das sich Ausdrücken, das Miteinander sprechen, die Vermittlung von Gefühlen und Informationen. Warum ist das so, wo wir doch als einzige Spezies auf diesem Planeten außer der Gestik und Mimik, außer der Sprache der Augen noch die Worte haben, die Worte und ihre Modulation, die Worte und ihren sozialen Kontext? Warum erscheint es trotzdem häufig so kompliziert, auf der gleichen Welle seine Botschaften hin- und her zu senden? Oder anders gefragt: Gibt es bei den Tieren, von deren Sprache wir inzwischen wissen, dass sie viel ausgefeilter ist, als wir früher dachten, auch Missverständnisse, verletzte Gefühle, falsche Erwartungen, Unausgesprochenes, Bedeutungen zwischen den Zeilen? Wiederholen sie deshalb so auffallend häufig ihre Rufe und Laute, damit sie unmissverständlich verstanden werden? Unter uns Menschen jedenfalls überwiegt auffallend häufig die Ungenauigkeit der Übermittlung, das Missverstehen, das falsche Einordnen des Gesagten, das Vorurteil, die Voreingenommenheit, das pure Unwissen über den anderen, das Befremden, das Bestürztsein über das Gesagte, die Enttäuschung, weil man wieder einmal nicht sofort verstanden wurde, sich falsch eingeschätzt und behandelt fühlte. Unter uns herrscht auffallend häufig eine Art von Sprachverwirrung, die daher rührt, dass wir diesen komplizierten Vorgang der Verständigung schlichtweg unterschätzen. Wir gehen meistens von der naiven Annahme aus verstanden zu werden, unseren Gedanken, unseren Wunsch nur einmal klar und deutlich hervorbringen zu müssen und schon würde er verstanden oder ihm Folge geleistet werden. Passiert dies nicht, was auffallend häufig der Fall ist, reagieren wir mit Ungeduld, mit Unverständnis und haben eines dabei übersehen: Wir haben uns gar keine Mühe gegeben. 

Was mache ich eigentlich?

Veröffentlicht am 29.08.2013

Was mache ich eigentlich? Ich mache im Ergebnis jedenfalls das, was die meisten hier tun. Ich funktioniere. Ich funktioniere nach der Uhr, die mich morgens um sieben weckt und mir abends um elf sagt, dass ich jetzt, um den nächsten Tag wieder zu funktionieren, ins Bett gehen sollte. Ich funktioniere auf diese Weise, gesetzt den Fall, der Schlaf funktioniert, sechzehn Stunden pro Tag. Das ist wenig, das könnte mehr sein, wenn ich mit sieben oder sechs Stunden Schlaf auskommen könnte. Eine Stunde Schlaf weniger pro Nacht ergäbe eineinhalb bis zwei Tage mehr im Monat, an denen ich funktionieren könnte. Es könnte aber auch die eine Stunde sein, in der ich, bevor mich der Schlaf abschaltet, zu mir selbst komme oder zu dem, was mich eigentlich beschäftigt. Es beschäftigt mich nämlich so manches,

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Hubschrauber

Veröffentlicht am 30.07.2013

Seit einer halben Stunde kreist ein dunkler, wahrscheinlich schwarzer Hubschrauber am Himmel, hier über die umliegenden Häuserreihen und Straßen, steht in der Luft mit dröhnendem Rotorengeräusch, dreht etwas ab, steht wieder. Vermutlich werden wir gerade von oben fotografiert, wir und die Häuser und Straßen und Bäume, oder gefilmt, erfasst jedenfalls, beobachtet, gescannt. Es ist so laut, dass ich nicht einmal hinter geschlossenen Balkontüren arbeiten kann. Es ist ein passendes Bild zu dem, was in diesem Sommer als Abhöraffäre diskutiert wird. Wir sind im Visier, zumindest sobald wir uns im digitalen Raum bewegen und dort etwas von uns preisgeben. Der russische Geheimdienst und die dortige Regierung haben inzwischen wieder auf Triumph Schreibmaschinen umgestellt, mit Durchschlägen, um ihre interne Kommunikation geheim zu halten, die Geheimhaltung zu gewährleisten. Ein Glück, dass ich das Zehnfingersystem noch gelernt habe. Ich kann jetzt also Briefe tippen und per Post verschicken, wenn ich meine Privatsphäre erhalten will. Oh nein, die Post gibt auch schon Daten weiter, wer mit wem wie oft und all so was. An wen, für was, weiß ich nicht, aber das Postgeheimnis sei auch schon ausgehöhlt. Dann sollte ich meinen Brief wohl wieder mit der Brieftaube verschicken oder einem Boten meines Vertrauens geben, der ihn an den Empfänger überbringt, und warum nicht gleich handschriftlich schreiben, das nämlich kann ich auch noch, ein Lob auf das alte Schulsystem mit der Kreidetafel und dem Füllfederhalter. Die Netzgemeinde aber, die glaubte, im digitalen Raum endgültig die Basis für Freiheit und Demokratie gelegt zu haben, die sich autonom und selbstbestimmt fühlte, ist jetzt betrogen. 

Im Hof

Veröffentlicht am 12.03.2013

Ich sitze im Hof auf den von der Sonne erwärmten Steinplatten, zwischen Haus und Schuppen, ich habe mich da vermutlich selber hingesetzt, denn ich bin sehr damit einverstanden, so da zu sitzen, so alleine, ich habe überhaupt nicht die leiseste Empfindung einer Angst oder eines Verlassenseins in mir. Im Gegenteil, es ist der reinste Genuss, mich meinem Interesse an den Ritzen zwischen den Steinplatten ungestört hingeben zu können. Ich pule die weiche kühle Erde aus einer Fuge vor mir und stecke diese kalte braune Creme in den Mund. Es schmeckt nicht nach Eis, wie ich möglicherweise dachte, und vielleicht bin ich enttäuscht und spucke das braune Zeug, das zwischen meinen Milchzähnchen knirscht, wieder aus und weil es nicht weit genug heraus gespuckt werden kann, wische ich die schmierigen Klümpchen, die nun an meinem Mund hängen, mit meinen dicken kleinen Händen wieder ab, jedenfalls versuche ich das. Oder ich versuche es nicht

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Respekt vor dem Leben

Veröffentlicht am 24.10.2012

Weil unsere Fähigkeit und Bereitschaft für einen anderen da zu sein begrenzt ist, wurde die Unterstützung und Hilfe für Notleidende wahrscheinlich institutionalisiert. Der Alte kommt in ein Pflegeheim, der Obdachlose in ein Obdachlosenasyl, der psychisch Kranke in ein Therapiezentrum, der Drogenabhängige in eine Entzugsklinik, das behinderte Kind wird immer häufiger gar nicht mehr erst geboren. Menschen in Not, hilfsbedürftige Menschen sind anstrengend für ihre Umwelt, sie kosten Zeit und Energie, die der Leistungsgesellschaft verloren geht. Der arbeitende Angehörige gerät unter Druck, ein Pflegefall bringt eine Familie oft an die Grenzen ihrer inneren Solidarität. Überforderung ist die Reaktion. Stress. Abwehr. Kann eine Partnerschaft einen Pflegefall aushalten? Kann ein Kind seine Eltern pflegen? Ist die Bereitschaft, die Nähe zueinander ausreichend da? Jemals da gewesen? Wie ist unser Verhältnis zu unserem Körper, wenn er nicht mehr gesund und schön ist? Wie gehen wir mit Krankheit und Tod um? Und wie erst mit einem Fremden, der sich uns plötzlich aufdrängt in seiner Hilfsbedürftigkeit?

Auf der anderen Seite: Wir sind schon erheblich zivilisierter und humaner, hilfsbereiter als in früheren Zeiten. Der Staat hat ausreichend finanzielle Kapazitäten um unser Bedürfnis nach einer humanen Gesellschaft in seinem Sozialsystem umzusetzen. Wir lassen den Kranken und Alten nicht mehr einfach am Wegrand liegen und ziehen weiter. Wir haben inzwischen Respekt vor dem Leben. 

Richtung

Veröffentlicht am 07.05.2012

Mein eigenes Denken folgt zwei Richtungen. Die eine Richtung führt immer in den Fatalismus, zu der traurigen Erkenntnis darüber, dass dem jeweils von mir betrachteten Problem eine Bestimmung /Bestimmtheit des Menschen voraus geht, wovon er sich nicht befreien kann, so sehr er das auch möchte. Die Haut, in der wir stecken, die Familie, aus der wir kommen, die Gene, die uns bestimmen, die Conditio humana, die uns so unvollkommen macht. Dem entgegen steht dann aber mein kleines beschissenes eigenes Leben, das ich ein glückliches nennen möchte, weswegen ich mit aller Naivität meinem Fatalismus trotze und immer an das Gute, an ein gutes Ende, an eine positive Wendung glauben möchte, eine Naivität, die mich wenigstens die nahe Zukunft, den nächsten Tag, diesen Tag, diesen Nachmittag gestalten lässt, als hätte ich ihn in der Hand.

Besitz

Veröffentlicht am 16.07.2011

Jemand, der nichts oder nur das absolut Lebensnotwendigste besitzt, wird wahrscheinlich danach streben dieses Wenige behalten zu wollen, weil er es zum Überleben braucht oder er wird danach streben mehr zu besitzen, weil er sich vorstellt, dass es ihm dann besser gehen würde, dass er zufriedener und glücklicher wäre.

Jemand, der mehr besitzt, als zu seinem Leben unbedingt notwendig ist, der sich diesen Besitz aber mit der Kraft seiner Lebensjahre erworben hat oder der für diesen Besitz weiterhin hohe Kreditraten bezahlen muss, der wird vielleicht zufrieden sein, vielleicht aber auch nicht, die Zufriedenheit wird nicht proportional zu dem Mehr an Besitz, was er sich erworben hat, angestiegen sein. Er wird, wenn er das Zehnfache als der Erstgenannte besitzt, nicht zehn Mal so zufrieden sein. Er wird vielleicht sogar weniger zufrieden sein, weil er sich für viele Jahre die Verpflichtung aufgebürdet hat, Kreditraten dafür zu bezahlen, was ihm das Gefühl gibt, für den Rest seines Lebens ein Gefangener seiner erfüllten Wünsche zu sein.

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Fremdwort Yoga

Veröffentlicht am 01.10.2009

Ich habe mir die Aufgabe gestellt, aus mir eine komische Figur zu machen. Das erste, was mir dazu einfällt, ist, dass ich alles andere als komisch bin, das exakte Gegenteil. Wenn ich mit mir alleine bin, ist das besonders zu merken. Es gibt keinen einzigen Lacher, ich pfeife auch äußerst selten vor mich hin oder singe, so wie das mein Mann oft macht.  Ich stecke in einer Art Zwangsjacke, die mir jede Lockerheit nimmt. Meine Muskeln sind mittlerweile so verhärtet, dass ich zur Physiotherapie gehen muss. Man hält mich für eine Sportlerin,

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Mutter

Veröffentlicht am 01.03.2009

Sie weiß jetzt, wie das ist, Mutter zu sein. Sie weiß es, aber es fällt ihr schwer es zu benennen. Je länger sie Mutter ist, umso mehr fehlen ihr die Worte für komplexere Zusammenhänge. Sie kann auch kaum mehr längere Sätze verstehen, in denen es um abstrakte Gedanken geht. Heute Morgen las sie so einen Satz,

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Treffen

Veröffentlicht am 26.08.2008

Er kam mir in unserer Straße entgegen, zwei Häuser von unserem Eingang entfernt. Mit federnden Schritten und den Knöpfen eines Ipods in den Ohren. Er strahlte, als ich das Fahrrad anhielt und mich nach ihm umdrehte. Diesen „Dich kenn ich doch“-Blick müssen wir beide in diesem Moment gehabt haben.

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Luzern

Veröffentlicht am 30.01.2008

Heute Nachmittag ging ich durch den Wald hinter dem Huobenfang. Es war ein trüber Tag mit Nieselregen, an dem ich nicht mal die Berge, die sonst diese Landschaft einrahmen, zu Gesicht bekam. Viel zu warm, 11 Grad hat es. Ich ging über den kalkig schmierigen Weg, der über die Schlucht führt und folgte dem Vitaparcour, einem Trimmdichpfad, ein Stück dem Bachlauf entlang. Es ist kein Wald, der mir Freude macht, das wusste ich schon vom letzten Mal, als ich mit H hier entlang gegangen war. Glücklich, von D’s Haus einfach loswandern zu können, drangen wir in diesen Wald ein, um schon bald das Rauschen der Autos auf der Autobahn zu hören, deren Betontrasse, eine riesige Schlange auf Stelzen, sich über die Waldhänge, Bäche und Flussläufe windet.

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Menschen

Veröffentlicht am 15.10.2007

Es sind die Menschen, die mich faszinieren, deren Grundbedürfnisse sich gleichen, deren Innenleben aber so divers ist, dass ich am liebsten in jeden einzelnen hineinschlüpfen würde. Was geht in ihnen vor, wenn sie sprechen. Was sagen sie und was meinen sie stattdessen. Was wird wie und warum gefiltert. Das Gesicht auf einer Party, das Gesicht alleine später zuhause beim Blick in den Spiegel im Flur, die vielen möglichen Wahrheiten, die Ratlosigkeit im Umgang mit Gefühlen, die Schwierigkeiten der Liebe, die namenlosen Ängste, die sich hinter Aggressionen und Arroganz und so manchem clownesken Auftritt verbergen, das Bild, das man abgeben will, die Werte, die man verbissen zu verkörpern versucht, der Fröhlichste in der Runde, der am Ende der Traurigste ist, das Erkennen der Grenzen des eigenen Lebens, die wachsende Verletzbarkeit, je älter man wird, wie werde ich glücklich, wie schaffe ich es, nicht alleine zu sein, zu zweit nicht ständig unglücklich, nicht angenommen zu sein? Das Alter, in dem man mit ausgestreckten Armen die beiden Enden des Lebens berührt. (Richard Ford!) M ist gestern vierzig geworden.

 

Aufsaugen

Veröffentlicht am 12.09.2007

Das Leben interessiert mich, die täglichen Begegnungen, ich sauge sie auf, das ist im Prinzip der Stoff, von dem ich abhänge. Alles kommt mir interessant und oft sonderbar und erzählenswert vor, noch die kleinste Banalität, nein, banal ist im Grunde ja nichts. Mir gehen die Gespräche und Beobachtungen noch tagelang durch den Kopf, jetzt, wo ich wieder Zeit habe, ihnen diesen Raum zu geben, wo ich nicht unterrichten muss. Ich richte meine Aufmerksamkeit weniger auf den äußeren Rahmen, auf Details des Aussehens einer Person, auf eine Wohnungseinrichtung, auf die Kleidung, auch das Gesicht der Person bleibt nur vage wahrgenommen. Was bei mir ankommt, ist ein emotionaler Eindruck, eine Atmosphäre. Genauer erinnere ich mich aber an das Gesprochene, an die Stimmlagen, an die Gesten und Gebärden dabei. 

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Meine Mutter

Veröffentlicht am 06.09.2007

Meine Mutter erzählte gestern Abend unter herzhaftem Gähnen von den kargen Jahren ihrer Kindheit, etwas, wovon sie, wie mein Vater sagte, immer öfter erzählt. Wie sie sich als Kind, wenn sie Hunger hatte, einfach auf den Boden gelegt habe. Dass sie sich nicht an ein gutes Essen zuhause erinnern könne,

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Wert des Geldes

Veröffentlicht am 03.09.2007

Mein Vater hat in seiner Zeit als Jalousienmonteur in viele Fenster geschaut. Einmal in eine Konditorei, in der die Bäcker gerne und oft ihre Finger und ihr Werkzeug abgeleckt hatten, mit dem sie dann seelenruhig die Torten bestrichen. Ein anderes Mal hat er am Fenster der Deutschen Bank in Lahr gehangen und gesehen, wie man hinter dem Panzerglas Geld vernichtet hat. Da standen Kartons voll mit Hundertmarkscheinen, die durch den Schredder liefen, alte Banknoten, die, weil sie schadhaft oder schmutzig waren, von den Landesbanken hergeschickt wurden, um hier an der Zentralstelle vernichtet zu werden. Immer zwei Bankangestellte hätten sich im Raum befunden, um sich gegenseitig zu überwachen, beim kleinsten Verdacht auf Bereicherung wäre sofort die Polizei da, hätten ihm später die Angestellten erzählt. Für meinen Vater war die Vernichtung des Geldes, für das er sich Tag für Tag krumm machte, ein merkwürdig absurder Anblick. Da hätte er gemerkt, dass er so einem Schein eine lächerlich große Bedeutung geben würde, gemessen daran, wie im Großen damit umgegangen wird.

Meine Mutter

Veröffentlicht am 03.08.2007

Ich denke an meine Mutter, die nicht wie ich schreiben muss und die doch jetzt, wo sie über 70 ist, sagt, dass die Zeit vor der Ehe und die Rentenzeit die besten Zeiten sind, weil man da zu sich selbst kommen würde.

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Debatten

Veröffentlicht am 20.06.2007

Im Bundestag wird vergeblich über die Einführung eines Mindestlohnes diskutiert und in meinem Umfeld erfahre ich von Leuten, die kaum über die Runden kommen.

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Eltern

Veröffentlicht am 03.05.2007

Alles ist Fügung, sagte meine Mutter, und dass sie deshalb keine Angst vor dem Tod habe. Im Gegensatz zu meinem Vater hat sie Halt in ihrem Glauben gefunden, eine Gelassenheit und Stärke, die sie, wie mir scheint, früher nicht hatte. Sie betet, um sich zu beruhigen und das helfe ihr, sagt sie,

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Rente

Veröffentlicht am 18.01.2006

Gestern war ich bei der deutschen Rentenversicherung, um mein Konto zu klären. Seit einem halben Jahr lag die Aufforderung, dies zu tun, bei mir auf dem Schreibtisch und ich ahnte schon, dass dies kein besonders erbaulicher Termin werden würde.

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Käse

Veröffentlicht am 16.01.2006

 

Neulich kaufte ich einem um eine paar Cents fragenden Bettler, der vor dem Kaisers Markt stand und mir anbot, auf die Blumen im Gepäckträger meines Fahrrades aufzupassen, ein Stück Käse und zwei Brötchen dazu.

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Winter in Berlin

Veröffentlicht am 30.12.2005

Es hat jetzt drei Tage lang geschneit in Berlin und heute kommt zum ersten Mal die Sonne wieder durch. Das Licht, das auf den Schnee fällt, ist bombastisch, doch im Grunde wünschten wir uns, dass es ein bisschen mehr Frost hätte, damit der Schnee nicht gleich wieder schmilzt. Es war so schön die letzten Tage.

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Schwarzer Mann

Veröffentlicht am 20.12.2005

Heute Morgen fiel mir beim Frühstück ein, dass ich als kleines Kind oft von einem schwarzen Mann geträumt habe, der mich verfolgt hat. Manchmal war es auch ein schwarzer Hund, der über die Dächer sprang, ein furchtbar anmutendes großes Tier, überdimensional groß. Es gab zu der Zeit wohl noch den Hund Moggi, der nicht wirklich uns gehörte, der aber oft bei uns oben war, oben im Haus meiner Kindheit,

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Wohlstand

Veröffentlicht am 29.11.2005

Nein, wir sind hier nicht im Erdbebengebiet im Kaschmir, auch nicht bei einem Chiphersteller in China oder in Russland auf der Verliererseite. Wir sind hier, in Deutschland, wo es allen noch vergleichsweise gut geht. Ich müsste also entspannt und zufrieden sein.

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Im Park

Veröffentlicht am 12.10.2005

Wir haben einen goldenen Oktober. Die Tage erwärmen sich auf nahezu zwanzig Grad und man wundert sich, wenn es dann abends doch schon um halb sieben dunkel wird. Gestern war ich um diese Zeit im Friedrichshain Park. Als ich mein Fahrrad anschloss, stand die Sonne schon sehr tief. Sie lag flach über der Straße und erreichte nur noch einzelne Baumwipfel. An manchen Stellen im Park streckte sie sich noch durchs Unterholz und funkelte, doch der Spielplatz am Eingang und das Basketballfeld lagen schon im Schatten. Manche der Spieler trugen wie im Sommer kurze Hosen und T-Shirts und sie rannten gegen die einbrechende Dunkelheit an.

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